Institut für jüdische Geschichte Österreichs/Jewish History in Austria

Institut für jüdische Geschichte Österreichs/Jewish History in Austria Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs besteht seit 1988 und ist in der Ehemaligen Synagoge von St. Pölten untergebracht. Pölten.

Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs besteht seit 1988 in Wien und St. Seine Büroräumlichkeiten sind in der Ehemaligen Synagoge von St. Pölten, der Landeshauptstadt Niederösterreichs, untergebracht. Seine Aufgabe ist die umfassende Erforschung der Geschichte und Kultur der Juden in Österreich vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Unsere Arbeit umfasst wissenschaftliche Forschung, Publikat

ions- und Vortragstätigkeit, universitäre Lehre sowie Mitwirkung in der Erwachsenenbildung und an Schulprojekten. Durch die Unterbringung in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten fand das verwaiste Haus eine neue, sinnvolle Nutzung als Gedenkstätte.

Heute ist der Todestag von Karl Frank (geb. 20. 1. 1858).Er stammte aus einer sehr religiösen mährisch-jüdischen Familie...
10/09/2026

Heute ist der Todestag von Karl Frank (geb. 20. 1. 1858).

Er stammte aus einer sehr religiösen mährisch-jüdischen Familie. Mit seiner Frau Mathilde, geb. Duschak (1866 Gaia/Kyjov–1926 Wien), hatte er sechs Kinder.
Karl Frank besaß am Johannesplatz 8–10 in Viehofen eine Rollgerstenmühle und war Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten. Nach der Erinnerung seines Enkels Abraham Harry Reiss lebte er „streng koscher“, hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft und war sehr kaisertreu. Für Harry und dessen Schwester Ditta war er ein liebevoller Großvater. Laut Vermögenserklärung vom 7. Juli 1938 war Karl Frank ein vermögender Geschäftsmann, bis im selben Monat seine Bankeinlagen wie auch die Mühle „arisiert“ wurden. Nach der Delogierung fand er mit seiner Tochter Margarete ab 1. Dezember 1938 Unterschlupf bei Samuel und Mathilde Hacker in der Gabelsberger Straße 3. Am 25. September 1939 meldeten sich Vater und Tochter nach Wien 9, Türkenstraße 31/6 ab, im April 1942 mussten sie in eine weitere Sammelwohnung in Wien 2, Rembrandtstraße 17/15 übersiedeln. Von dort wurden beide am 20. August 1942 mit einem sog. „Alterstransport“ – das Durchschnittsalter der 1.000 Menschen betrug 69 Jahre – nach Theresienstadt deportiert, wo sie auf dem Dachboden des Gebäudes H-V hausen mussten. Bereits drei Wochen später, am 11. September 1942, starb Karl Frank an einer Lungenentzündung.
Margarete hatte ihrem Vater auf allen Wegen zur Seite gestanden und musste in Theresienstadt seinen Tod beklagen. Sie selbst wurde mit einem der letzten Transporte am 19. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Todestag ist nicht bekannt.
2022 wurde Vater und Tochter ein Stein der Erinnerung auf dem St. Pöltner Johannesplatz gesetzt.

Fotos: Karl Frank mit Enkel Harry Reiss, Margarete Frank, Karl Frank, Steinsetzung 2022 © Injoest

Weitere Informationen zur Familie Frank: https://www.juden-in-st-poelten.at/de/personen-view/memorbuch

Margarete "Grete" Körner, geboren am 8. September 1914, konnte an Bord des Schiffes Sakarya, welches 500 Personen Platz ...
08/09/2026

Margarete "Grete" Körner, geboren am 8. September 1914, konnte an Bord des Schiffes Sakarya, welches 500 Personen Platz bot, fliehen - mit ihr gemeinsam waren mehr als 2.000 Menschen an Bord. Die Flüchtenden legten von Sulina, Rumänien ab und waren mehr als ein halbes Jahr unterwegs, weil ihnen die Einreise in das britische Mandatsgebiet vorerst verweigert wurde. Nach der Ankunft wurde Grete wie viele andere im L***r Atlit inhaftiert, schlussendlich konnte sie sich in Israel ein neues Leben aufbauen.
Ihr Bruder Alfred "Fredl" konnte mit seiner Frau in die USA fliehen, Vater Jakob war bereits 1936 gestorben und liegt am neuen jüdischen Friedhof in St. Pölten begraben.

Gretes Schwester Augustine "Gusti" und Mutter Klara Chana wurden am 9. Juni 1942 von Wien nach Maly Trostinec südlich von Minsk deportiert und sofort nach der Ankunft am 15. Juni erschossen oder vergast. An dieser Vernichtungsstätte wurden mehr als 13.000 als jüdisch verfolgte Österreicherinnen und Österreicher ermordet.

Foto: Alfred, Klara, Jako, Grete und Gusti Körner © Injoest

Auf Einladung des Forums Juden/Christen ist Philipp Lenhard zu Gast im Evangelischen Gymnasium Nordhorn. Der Historiker ...
07/09/2026

Auf Einladung des Forums Juden/Christen ist Philipp Lenhard zu Gast im Evangelischen Gymnasium Nordhorn. Der Historiker und Leiter des Injoest beleuchtet Hannah Arendts Verständnis von Freundschaft und deren Bedeutung in "finsteren Zeiten": 16. 9. 2026, 19 Uhr, Aula/Evangelisches Gymnasium Nordhorn (EGN), Bernhard-Niehues-Straße 51

Die jüdische Philosophin und Publizistin (1906–1975) musste 1933 aus Deutschland fliehen und erlebte Verfolgung, Staatenlosigkeit und Exil. Ihre Erfahrungen prägten auch ihre Überlegungen zu Menschlichkeit, Öffentlichkeit und menschlichem Handeln.
Anhand authentischer Texte zeigt Lenhard, wie Arendts eigenes Leben und ihre Erfahrungen im Exil ihr Denken über Freundschaft beeinflussten. Die Schriftstellerin und Poetry-Slam-Europameisterin Theresa Sperling liest dazu ausgewählte Texte Arendts. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Freundschaft als Haltung der Menschlichkeit auch unter schwierigen politischen Bedingungen Bestand haben kann.

Foto Lenhard: © Injoest/Peter Rauchecker

Der Jurist Dr. Julius Fischer (geb. 10. 6. 1882) machte nach dem Ersten Weltkrieg in St. Pölten eine bemerkenswerte poli...
05/09/2026

Der Jurist Dr. Julius Fischer (geb. 10. 6. 1882) machte nach dem Ersten Weltkrieg in St. Pölten eine bemerkenswerte politische Karriere als sozialdemokratischer Finanzstadtrat. Am 7. Oktober 1926 wurde er außerdem als Ersatzmitglied für den verstorbenen Ferdinand Gerdinitsch im niederösterreichischen Landtag angelobt.
Drei Monate nach dem „Anschluss" 1938 verfügte Bürgermeister Hörhann in einer Dienstbesprechung die Auflösung des Mietvertrages für Fischers Kanzlei in der Hess-Straße 6. Am 10. November 1938 wurde Fischer verhaftet. Tags darauf lud die Stadtverwaltung seine Frau Hilda telefonisch ins Rathaus vor, um in ihrem sowie im Namen ihres Mannes einen Kaufvertrag über das Haus in der Heidenheimerstraße 21 zu unterschreiben. Julius Fischer war von der Gestapo gezwungen worden, seiner Frau eine Verkaufsvollmacht auszustellen, da dem Ehepaar das Gebäude zu gleichen Teilen gehörte. Die Stadt bestimmte den Preis für den von ihr arrangierten Zwangsverkauf. Erlöse von Zwangsverkäufen standen den jüdischen Verkäufern nicht zur Verfügung, sondern musste auf einem Sperrkonto deponiert werden. Nachdem das Ehepaar Fischer sein Haus räumen musste, wohnte es vorübergehend bei Anna Reis in der Josefstraße 7 in einem Zimmer zur Untermiete. Am 19. Mai 1939 meldeten sich Julius und Hilda Fischer nach Paris ab und gelangten schließlich nach New York, wo Dr. Fischer am 5. September 1943 verstarb.
In einem Schreiben vom 18. September 1946 aus New York an die Stadt St. Pölten beginnend mit den Worten, „Wie ich als der Stadtverwaltung bekannt annehmen darf [...]," gab Frau Fischer ihre Rückstellungsansprüche bekannt.
Die Rückstellung durch die Republik Österreich, die das „deutsche Eigentum" übernommen haben dürfte, erfolgte erst 1958; Hilda Fischer hatte noch 5.000.- Schilling zu bezahlen. Bereits im Februar 1946 war sie amerikanische Staatsbürgerin geworden.
Heute ist im Norden St. Pöltens eine Straße nach Dr. Julius Fischer benannt; Hinweise auf seine politische Tätigkeit sind jedoch spärlich.

Weitere Informationen zu Julius Fischer: https://www.juden-in-st-poelten.at/de/personen/memorbuch/julius-fischer

Foto: © Injoest

Die Leiterinnen des Langzeitprojekts "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" am Injoest arbeite...
04/09/2026

Die Leiterinnen des Langzeitprojekts "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" am Injoest arbeiten derzeit an der Herausgabe von Band 6 und 7 der wichtigen Reihe zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte. Wie immer sind dafür auch umfangreiche Recherchen in zahlreichen Archiven notwendig. Der Besuch im Archiv Wiener Neustadt führte wieder zu interessanten Funden.

Weitere Informationen zum Projekt: http://www.injoest.ac.at/de/projekte/laufende-projekte/regesten

Fotos: © Injoest/Birgit Wiedl

Heute vor 120 Jahren starb die auf dem neuen jüdischen Friedhof in St. Pölten begrabene Käthe Deutsch: "Unsere gute Mutt...
02/09/2026

Heute vor 120 Jahren starb die auf dem neuen jüdischen Friedhof in St. Pölten begrabene Käthe Deutsch: "Unsere gute Mutter Frau Käthe Deutsch geb. Grunwald starb im 30. Lebensjahr am 2. Sept. 1906 (12 Tage im Monat Elul 5666)."

Der Friedhof kann diesen Sonntag bei einer Führung um 14 Uhr im Zuge der Europäischen Tage der jüdischen Kultur besucht werden, außerdem findet um 16 Uhr eine Führung durch die Ausstellung "Geraubte Heiligkeit" in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten statt. Nähere Infos dazu finden Sie hier: http://www.injoest.ac.at/de/aktuelles/friedhofsfuehrungen-st-poelten
und hier: https://www.ehemalige-synagoge.at/de/programm/europaischer-tag-der-judischen-kultur/66914

Foto Grabstein: © Injoest
Foto Ausstellung: © NÖ Museum Betriebs GmbH, Foto: Klaus Pichler

„Ungefähr 3 Wochen nach dem Umbruch trug mir Herr Gelb, der mich eigens in seine Wohnung rufen ließ, Haus und Geschäft a...
26/08/2026

„Ungefähr 3 Wochen nach dem Umbruch trug mir Herr Gelb, der mich eigens in seine Wohnung rufen ließ, Haus und Geschäft an. [...] Da ich selbst nicht Mitglied oder auch nur Anwärter der NSDAP oder einer Gliederung war, wurde mir zuerst die Übernahme des Hauses überhaupt verweigert. Herr Gelb setzte sich nun persönlich bei dem ihm als alten St. Pöltner gut bekannten Kreiswirtschaftsleiter ein, und lediglich dieser Intervention war schließlich die Bewilligung der Hausübernahme zu danken.“ Heinrich Gelb gehörte demnach sicher nicht zu denen, die nach dem „Anschluss“ erst einmal abwarteten. Für seinen Wunschkandidaten, seinen früheren Lehrling und langjährigen Angestellten Josef Resch, intervenierte er sogar bei NS-Kreiswirtschaftsleiter Fritz Waibl.

Geboren am 26. August 1875 in St. Pölten als Sohn von Samuel und Barbara, betrieb Heinrich Gelb ab 1899 das „Friseur- und Rasiergewerbe“, wie in der Vermögensanmeldung seiner Frau steht, ab 1911 in einem eigenen „Herren- und Damensalon“. Mit seiner Frau Hermine Löbl aus Lackenbach, geboren am 10. März 1876, hatte er vier Kinder, wovon er zwei Söhne beerdigen musste.

Paul, geboren 1905, wie sein Vater Friseur und später Buchhalter, kehrte im August 1938 nach einem Schachturnier in Zürich nicht mehr in die nunmehrige „Ostmark“ zurück. Grete (Margarete), geboren 1909, emigrierte im April 1939 nach Großbritannien.
Trotz aller Umsicht gelang ihren Eltern die Flucht nicht. Relativ spät, erst am 7. Mai 1940, erfolgte die Zwangsumsiedlung nach Wien 2, Floßgasse 6/8. Am 26. Februar 1941 wurden Heinrich und Hermine Gelb nach Opole bei Lublin deportiert, auf diesem Transport von mehr als tausend Menschen befanden sich auch mehrere andere St. Pöltner Jüdinnen und Juden. Wann Heinrich den katastrophalen Lebensumständen im Ghetto erlag, ist nicht bekannt. Hermine wurde am 24.12.1941 ermordet.

Der am 17. August 1903 geborene Hermann Gelb war von November 1938 bis zum 12. Mai 1939 in Dachau interniert. Nach seine...
17/08/2026

Der am 17. August 1903 geborene Hermann Gelb war von November 1938 bis zum 12. Mai 1939 in Dachau interniert. Nach seiner Flucht über Italien nach Frankreich, wurde er dort verhaftet, konnte jedoch am 27. Oktober 1942 in die Schweiz fliehen, wo er abermals interniert wurde.
Hermann Gelbs Verlobte Minna war die Tochter des Tischlers Josef Grießler. Sie wartete sieben Jahre lang auf Hermann. Um zu verhindern, dass das Haus der Gelbs in fremde Hände fiel, bat sie ihren Vater, es zu „arisieren“. Dieser weigerte sich zunächst, schließlich aber wurde die Liegenschaft im Einvernehmen mit der Familie Gelb (Hermanns Eltern waren nach Lodz deportiert worden) als „gute Arisierung“ durchgeführt. Am 2. Oktober 1946 konnte Hermann Gelb nach St. Pölten zurückkehren

Fotos: Wilhelm (Hermanns Vater) und Hermann Gelb bei der Freiwilligen Feuerwehr Ratzersdorf 1929 (1. Reihe, 4. von links und letzte Reihe, 2. von rechts); Hermann Gelb bei der Theatergruppe (1. von links) © Injoest

Weitere Informationen zu Mitgliedern der jüdischen Gemeinde St. Pölten: https://www.juden-in-st-poelten.at/de/

Adresse

Lederergasse 12
Sankt Pölten
3100

Öffnungszeiten

Montag 09:30 - 13:00
Dienstag 09:30 - 13:00
Mittwoch 09:30 - 13:00
Donnerstag 09:30 - 13:00
Freitag 09:30 - 13:00

Telefon

+43274277171

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Institut für jüdische Geschichte Österreichs/Jewish History in Austria erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Die Universität Kontaktieren

Nachricht an Institut für jüdische Geschichte Österreichs/Jewish History in Austria senden:

Verknüpfungen

Teilen