10/09/2026
Heute ist der Todestag von Karl Frank (geb. 20. 1. 1858).
Er stammte aus einer sehr religiösen mährisch-jüdischen Familie. Mit seiner Frau Mathilde, geb. Duschak (1866 Gaia/Kyjov–1926 Wien), hatte er sechs Kinder.
Karl Frank besaß am Johannesplatz 8–10 in Viehofen eine Rollgerstenmühle und war Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten. Nach der Erinnerung seines Enkels Abraham Harry Reiss lebte er „streng koscher“, hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft und war sehr kaisertreu. Für Harry und dessen Schwester Ditta war er ein liebevoller Großvater. Laut Vermögenserklärung vom 7. Juli 1938 war Karl Frank ein vermögender Geschäftsmann, bis im selben Monat seine Bankeinlagen wie auch die Mühle „arisiert“ wurden. Nach der Delogierung fand er mit seiner Tochter Margarete ab 1. Dezember 1938 Unterschlupf bei Samuel und Mathilde Hacker in der Gabelsberger Straße 3. Am 25. September 1939 meldeten sich Vater und Tochter nach Wien 9, Türkenstraße 31/6 ab, im April 1942 mussten sie in eine weitere Sammelwohnung in Wien 2, Rembrandtstraße 17/15 übersiedeln. Von dort wurden beide am 20. August 1942 mit einem sog. „Alterstransport“ – das Durchschnittsalter der 1.000 Menschen betrug 69 Jahre – nach Theresienstadt deportiert, wo sie auf dem Dachboden des Gebäudes H-V hausen mussten. Bereits drei Wochen später, am 11. September 1942, starb Karl Frank an einer Lungenentzündung.
Margarete hatte ihrem Vater auf allen Wegen zur Seite gestanden und musste in Theresienstadt seinen Tod beklagen. Sie selbst wurde mit einem der letzten Transporte am 19. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Todestag ist nicht bekannt.
2022 wurde Vater und Tochter ein Stein der Erinnerung auf dem St. Pöltner Johannesplatz gesetzt.
Fotos: Karl Frank mit Enkel Harry Reiss, Margarete Frank, Karl Frank, Steinsetzung 2022 © Injoest
Weitere Informationen zur Familie Frank: https://www.juden-in-st-poelten.at/de/personen-view/memorbuch