01/09/2026
Predigtimpuls von Sandra Ahr-Vahrenhorst für den 14. Sonntag nach Trinitatis am 6. September 2026:
Das Neue Testament wurde ursprünglich auf Griechisch verfasst. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass die meisten Autoren Hebräisch und die reichen und manchmal verborgenen Schichten dieser Sprache kannten. Die Namenswahl ist nicht zufällig und birgt eine tiefere und versteckte Botschaft.
Jesus begegnet in Jericho Zachäus. Dahinter verbirgt sich der hebräische Name Zakkai (mit weichem „S“ gesprochen). Dieses Wort Zakkai hat mehrere Bedeutungen. Die erste ist „würdig, etwas zu empfangen“. Jesus beschließt, trotz Zakkais’ Verfehlungen bei ihm zu bleiben, weil jeder die Chance verdient, sich zu bessern. Wir sehen zu Beginn der Geschichte, wie Zakkai sich bemüht und auf einen Baum klettert. Das bedeutet, dass er bereit ist, seine Stellung aufzugeben. Er hätte sich auch rücksichtslos durch die Menge drängen können, doch er verzichtet auf seine Würde und macht sich quasi zum Affen. Jesus erkennt dieses Potenzial und fördert es. Dass diese Handlung vor einem großen Publikum stattfindet, sendet eine deutliche Botschaft an alle Beteiligten.
Die Begegnung mit Jesus verändert Zakkais Leben grundlegend. Er durchläuft eine Wandlung und wird unschuldig. Juristisch gesehen beschreibt Zakkai nämlich eine eine Person, deren Unschuld bewiesen wurde. Die Botschaft ist klar: Ein Mensch kann sein Verhalten ändern.
Die Verantwortung dafür liegt bei beiden Seiten. Einerseits muss der Mensch den Wunsch haben, etwas zu verändern, durch Taten beweisen, dass er seine Komfortzone verlässt, und auch bereit sein, die Konsequenzen seines früheren Handelns zu tragen. Andererseits muss die Gesellschaft bereit sein, ihm die Möglichkeit geben, neu anzufangen, und ihn, sobald er seine Schuld gegenüber der Gesellschaft beglichen hat, wieder aufzunehmen.
Predigttext: Lukas 19,1-10 (BigS):
1 Und er kam nach Jericho und zog hindurch. 2 Siehe, da war ein Mann namens Zachäus, der war Oberzöllner und reich. 3 Er versuchte, zu sehen, wer Jesus denn sei, aber wegen der Menge Leute konnte er es nicht. Denn er war klein gewachsen. 4 Er eilte voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum hinauf, damit er ihn sehe, wenn er vorbeiziehen würde. 5Und als Jesus an jenem Ort vorbeikam, sah er hinauf und sagte zu ihm: »Zachäus, komm schnell herunter! Denn heute muss ich in deinem Haus bleiben!« 6 Er kam schnell herunter und nahm ihn mit Freuden auf. 7 Und alle sahen es und murrten, indem sie sagten: »Bei einem Sünder kehrt er ein, um zu übernachten.« 8 Zachäus aber stellte sich vor den Befreier hin und sagte: »Sieh, Gebieter, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen. Und wenn ich von jemandem etwas erpresst habe, gebe ich es vierfach zurück!« 9 Darauf sagte Jesus zu ihm: »Heute ist diesem Haus Rettung widerfahren, denn dieser Mann ist auch ein wahrer Nachkomme Abrahams. 10 Denn ich bin gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ging.«