03/03/2026
Calum Kessler war lange als Schüler im Bonner Matheclub und ist, seitdem er bei uns nichts Neues mehr lernen kann, schon seit einiger Zeit Tutor und gibt anderen sein Wissen ehrenamtlich weiter. ❤️🙏 Er geht immer noch zur Schule, beschäftigt sich aber parallel seit langer Zeit mit Uni-Mathematik und hat auch schon mehrfach bei unserer Schüler*innen-Forschungsgruppe mitgemacht, aus der ein wissenschaftlicher Artikel hervorgegangen ist. 💡Calum zählt sicherlich zu den 2-3 talentiertesten Schüler*innen, die in den letzten 10 Jahren beim Matheclub waren - neben dem mittlerweile fünffachen Bundessieger im Bundeswettbewerb Mathematik, Alexander Koblbauer. In einem Punkt müssen wir ihm dennoch widersprechen: Man kann auch beim Bonner Matheclub, insbesondere bei den Mathefahrten und Ausflügen, langjährige Freundschaften schließen, wie wir schon oft beobachtet haben. 😊 Mal sehen, wie es mit Calum weitergeht, es ist sehr viel möglich in der Zukunft. 👍 Hoffentlich bleibt uns Calum noch eine Weile als Tutor erhalten.
Dein Alter?
17 Jahre
Dein Lebenslauf in kurzen Stichworten?
Meine Kindheit habe ich in Göttingen gelebt, seit etwa vier Jahren lebe ich in Bonn. Ich gehe auf das CJD Königswinter, beschäftige mich aber auch seit einigen Jahren größtenteils im Selbststudium mit Unimathematik.
Warum machst du beim Bonner Matheclub mit? Was macht dir dort besonders Spaß?
Es macht sehr viel Spaß, die Freude, die ich selbst beim Entdecken neuer mathematischer Inhalte und Ideen erlebe, an andere weiterzugeben. Außerdem finde ich es sehr schön, dass der Bonner Matheclub eine Begabten- und Interessiertenförderung ist, die nicht an Wettbewerbe gebunden ist, da viele andere Förderprogramme an Wettbewerbe geknüpft und eher verschlossen sind. Im Gegensatz dazu kann beim Matheclub jede interessierte Person teilnehmen.
Was sollen deiner Meinung nach Kinder und Jugendliche im Bonner Matheclub lernen?
Der wichtigste Punkt ist meiner Meinung nach, dass Mathe nicht nur rechnen oder Schulmathematik ist, sondern sehr vielseitig und deutlich interessanter. Man kann in den Einheiten verschiedene Teilgebiete und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken, und dabei allgemein logisches/mathematisches Denken lernen. Zusätzlich dazu bekommt man durch den Kontakt zu den Tutoren die Möglichkeit, bei Menschen aus verschiedenen mathematischen Fachgebieten und Hintergründen Fragen zu klären und Ressourcen zum anderweitigen Lernen an die Hand zu bekommen, wenn man tiefer in die behandelten Themen eintauchen will.
War Mathematik in der Schule dein Lieblingsfach?
Das kommt darauf an, wie diese Frage gemeint ist. Mathematik ist allgemein mein Lieblingsfach, aber hiermit meine ich keine Schulmathematik, sondern Unimathematik und Wettbewerbsmathematik. Das, was in der Schule gemacht wird, hat mir nie besonders viel Spaß gemacht, weil es mir entweder schon bekannt oder zu einfach war, und es in den meisten Fällen keine "richtige" Mathematik ist. Von den Schulfächern finde ich Physik und Geschichte deutlich interessanter.
Hast du an mathematischen Wettbewerben teilgenommen? Wenn ja, mit welchen Erfolgen? Was hat dir die Teilnahme gebracht?
Seit etwa zweieinhalb Jahren nehme ich an Wettbewerben teil, wobei ich mich in der Zeit auch relativ intensiv mit Wettbewerbsmathematik beschäftigt habe, und habe vor allem in der letzten Mathematik Olympiade in der Bundesrunde einen 2. Preis und im Finale des Bundeswettbewerbs Mathematik eine Anerkennung gewonnen. Außerdem habe ich im letzten Jahr an den Auswahlseminaren zur Internationalen Matheolympiade (AIMO) teilgenommen.
Das wichtigste an den Wettbewerben sind aber für mich nicht die Erfolge selbst, sondern die mathematischen Seminare zu denen man dadurch eingeladen wird, bei denen man interessante und herausfordernde mathematische Einheiten hört. Diese Seminare sind meistens auch mehrtägig, sodass man dabei die anderen Teilnehmer deutlich besser kennenlernen kann als bei dem Bonner Matheclub, und so habe ich den größten Teil meiner Freunde irgendwie so über Wettbewerbe kennengelernt (vor der Teilnahme an Wettbewerben hatte ich eigentlich keine Freunde an meiner Schule oder in meiner Umgebung). Die Teilnahme an Wettbewerben war für mich also auch sozial extrem wichtig.
Hast du dich schon in der Schule für Uni-Mathematik interessiert?
Ja, ich habe mir etwa die ersten 2 Semester an Vorlesungen erarbeitet, wobei ich dabei vom Bonner Matheclub (und dem ehemaligen Rhombus-Projekt) unterstützt wurde. Das ist auch das, was mich am Anfang dazu motiviert hat, tiefer in die Mathematik und in Wettbewerbe einzutauchen. Ich habe mehrfach versucht, Vorlesungen auch in Präsenz zu besuchen, wobei das bisher vor allem aus Schulgründen nicht wirklich geklappt hat. Für das nächste Semester bin ich aber zuversichtlich.
Was genau gefällt dir an der Mathematik?
Ich finde es sehr schön, wie man mit einer relativ simplen Reihe an grundlegenden Regeln startet und daraus dann vielseitige und komplexere Strukturen herleitet. Zum einen macht es einfach Spaß, sich Gedanken über mathematische Fragestellungen zu machen und dann irgendwann einen entscheidenden Schritt zu sehen, zum anderen ist es auch beeindruckend in wie vielen verschiedenen Bereichen Mathematik Anwendungen findet und wie vielseitig sie deshalb ist, und wie der mathematische Fortschritt ein so großes gemeinsames Projekt von Menschen auf der ganzen Welt ist.
Was ist dein Lieblingsgebiet innerhalb der Mathematik?
Das ist für mich ziemlich schwer zu sagen, ich habe mich da noch nicht so sehr festgelegt. Im allgemeinen mag ich Kombinatorik recht gerne, wobei es meistens einfach das Thema ist, mit dem ich mich im Moment besonders beschäftige.
Welches mathematische Teilgebiet liegt dir eher nicht so?
Ich bin nicht besonders gut in (Wettbewerbs-)Geometrie, auch wenn sie mir trotzdem Spaß macht.
Was ist dein Lieblingsmathebuch? Und welches Buch kannst du Schüler*innen empfehlen?
Das Buch (auch wenn es kein richtiges Buch ist), das für mich am wichtigsten war ist der Mathematische Grundlagen-Kurs der Fernuni Hagen. Er beinhaltet etwa das erste halbe Semester von Analysis 1 und Lineare Algebra 1, ist aber auch ohne mathematisches Vorwissen gut lesbar, während die meiste andere Lehrliteratur für Unimathematik die ich bisher gesehen habe nicht besonders einsteigerfreundlich geschrieben ist. Das war das erste Buch, das ich zum richtigen Einstieg in die Mathematik durchgearbeitet habe, und ich kann es anderen interessierten auch sehr empfehlen. Ansonsten ist auch Euclidian Geometry in Mathematical Olympiads von Evan Chen sehr empfehlenswert, es ist ein sehr gutes und tief gehendes Buch über Wettbewerbsgeometrie.
Was machst du in deiner Freizeit gerne, wenn du nicht gerade Mathe machst?
Ich beschäftige mich auch mit Physik und Informatik und lese gerne (vor allem Fantasy). Außerdem spiele ich gerne verschiedene (Brett-)Spiele, vor allem Social Deduction Games und Dungeons und Dragons.