DFG-Projekt "Städtepartnerschaften und Europa"

DFG-Projekt "Städtepartnerschaften und Europa" But when and where does “Europe” actually play a role in these partnerships? And: for whom? Und: für wen?

Herzlich Willkommen auf der Facebook-Seite des DFG-Projekts "An 'Active Promotion of the European Ideal'? - Europabezüge in Städtepartnerschaften" am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen. Town twinning is considered to be a part of the “lived Europe”; a Europe, not arranged by statesmen and diplomats but rather built by every-day citizens and the connections they forged across bord

ers. These questions are at the heart of the project “’Active Promotion of the European Ideal‘? – Europabezüge in deutsch-britischen Städtepartnerschaften“ (European references in German-British town twinning links), funded by the German Research Foundation. Our facebook-page provides not just information on the project itself, but also offers glimpses into the interesting, ever-changing and sometimes odd world of town twinning.

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Städtepartnerschaften gelten als Teil des „gelebten Europas“. Aber wann und wo spielt „Europa“ in Städtepartnerschaften tatsächlich eine Rolle? Diese Fragen stehen im Zentrum des DFG-Projekts „‚Active Promotion of the European Ideal‘? – Europabezüge in deutsch-britischen Städtepartnerschaften“ an der Universität Duisburg-Essen. Auf dieser Seite wollen wir unser Projekt näher vorstellen, darüber hinaus aber über interessantes, kurioses und aktuelle Entwicklungen aus der Welt der Städtepartnerschaften informieren.

(english version below)Anhand der Stadt Kiel lässt sich das Verhältnis von Stadttyp und Städtepartnerschaft skizzieren. ...
01/09/2021

(english version below)

Anhand der Stadt Kiel lässt sich das Verhältnis von Stadttyp und Städtepartnerschaft skizzieren. Kiel nahm noch unter britischer Besatzung – und dank der Vermittlung in Schleswig-Holstein stationierter britischer Offiziere – Kontakt zu Coventry auf, woraus mit etwas Verzögerung die erste Kieler Städtepartnerschaft entstand. Der Aufbau internationaler kommunaler Kontakte bot vielen westdeutschen Städten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Gelegenheit, ihre Bereitschaft zur Völkerverständigung zu demonstrieren. Kiels Stadtverwaltung war dieses Signal jedoch besonders bedeutsam, bot es doch Gelegenheit, sich von der kriegswichtigen Funktion des Marinestützpunkts zu distanzieren. So wurde 1947 auch kein See- oder Binnenhafen zur ersten inoffiziellen Partnerstadt, sondern eine Kommune in der Mitte Englands. Stattdessen bildeten die auf beiden Seiten erlittenen Bombenschäden während des Zweiten Weltkrieges das verbindende Element.
Der Wunsch, sich als Stadt neu zu positionieren, zeigte sich auch deutlich in der Ausstellung „Kiel stellt sich um“ von 1948. Laut dieser sollte beispielsweise der Hafen statt militärischen Zwecken in Zukunft dem wirtschaftlichem Aufschwung dienen.
Wie essenziell der Hafen jedoch für das Selbstverständnis der Stadt blieb, beweist der Umstand, dass er bald wieder zum Auswahlkriterium für weiter Partnerschaften wurde, etwa im Fall der französischen Stadt Brest, noch deutlicher aber dann bei Partnerschaften mit den Ostseehäfen, Vaasa (Finnland), Tallinn (Estland), Gdynia (Polen) oder Stralsund, die nicht nur durch Bevölkerungskontakte sondern teilweise ganz konkret durch Fährverbindungen miteinander verbunden waren.

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The relationship between city type and town twinning can be outlined using the city of Kiel as an example. Kiel established ties with Coventry while it was still under British occupation - and thanks to the mediation of British officers stationed in Schleswig-Holstein - which, with some delay, resulted in Kiel's first twin city. After the end of World War II, the establishment of international municipal contacts offered many West German cities the opportunity to demonstrate their willingness to promote international understanding. For Kiel's city administration, however, this signal was particularly significant, as it provided an opportunity to distance itself from the naval base's wartime function. Thus, in 1947, it was not a seaport or inland port that became the first unofficial twin city, but a municipality in the middle of England. Instead, the bomb damage suffered on both sides during the Second World War formed the unifying element.
The desire to redefine itself as a city was also clearly reflected in the exhibition "Kiel stellt sich um" ("Kiel repositions itself") of 1948, which stated, for example, that the harbour was to serve economic development instead of military purposes in the future.
How essential the port remained for the city's self-image, however, is evidenced by the fact that it soon became a selection criterion for further partnerships, for example in the case of the French city of Brest, but even more clearly in the case of partnerships with the Baltic ports of Vaasa (Finland), Tallinn (Estonia), Gdynia (Poland) or Stralsund, which were not only connected through community contacts but in some cases very concretely through ferry routes.

(english version below)Bisher drehte sich unserer Blogreihe um die Fragenkomplexe, die im Zentrum unseres Forschungsproj...
11/08/2021

(english version below)

Bisher drehte sich unserer Blogreihe um die Fragenkomplexe, die im Zentrum unseres Forschungsprojekts stehen. Jetzt wenden wir uns den Untersuchungsgegenständen zu, also den Städten und Städtepartnerschaften, die wir zur Beantwortung dieser Fragen heranziehen. Und was läge näher, als mit einer Stadt zu beginnen, die aufgrund ihres frühen Engagements zu den Pionieren auf dem Feld der Städtepartnerschaften zählt.
1940 wurde die britische Stadt Coventry durch Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe stark zerstört. Die Angriffe trafen besonders das Stadtzentrum, dessen ausgebombte St. Michael’s Cathedral bis heute als Mahnmal dient. Bereits 1944 knüpfte man freundschaftliche Bande mit dem ebenfalls stark zerstörten Stalingrad, seit 1961 Volgograd. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs folgten rasch Verbindungen zu weiteren „Märtyrerstädten“, wie sie manchmal genannt wurden, etwa Kiel (BRD) und Dresden (damals DDR), Caen (Frankreich) und Lidice (Tschechien). Nicht immer bestand der Grund für die eingegangene Städtepartnerschaft jedoch in einem gemeinsamen Schicksal. Bei den freundschaftlichen Verbindungen mit Coventry, Rhode Island; Coventry, Connecticut; und Coventry, New York State, ist der Grund sehr viel naheliegender.
Nichtsdestotrotz blieben Frieden und Versöhnung wichtige Motive in Coventrys Städtepartnerschaften, die vor der Kulisse des Kalten Krieges auch immer wieder Systemgrenzen überschritten – dafür jedoch auch besonderen Spannungen ausgesetzt waren. Gerade der Städtepartnerschaft mit Dresden kam vor diesem Hintergrund viel Aufmerksamkeit zu.
Insgesamt unterhält Coventry 26 Städtepartnerschaften – allein 17 mit Städten in Europa. So kontaktfreudig zu sein, hatte jedoch auch eine Kehrseite: Neue Partnerstädte bedeuteten nur selten mehr Geld zur Pflege der Beziehungen, sodass viele Verbindungen rein symbolisch blieben und nur unregelmäßig mit gegenseitigen Besuchen unterfüttert wurden.

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So far, our blog series has revolved around the sets of questions at the heart of our research project. Now we turn to the objects of study, i.e. the cities and town twinning arrangements we use to answer these questions. And what could be more fitting than to start with a city that is one of the pioneers in the field of town twinning.
In 1940, the British city of Coventry was heavily destroyed by German Luftwaffe air raids. The attacks particularly affected the city centre, whose bombed-out St. Michael's Cathedral still serves as a memorial today. As early as 1944, friendly ties were forged with the equally destroyed Stalingrad (since 1961: Volgograd). After the end of the Second World War, links quickly followed with other "martyr cities", as they were sometimes called, such as Kiel (FRG) and Dresden (then GDR), Caen (France) and Lidice (Czech Republic). However, the reason for twinning was not always a common fate. In the case of the friendly ties with Coventry, Rhode Island; Coventry, Connecticut; and Coventry, New York State, the reason is much more obvious.
Nevertheless, peace and reconciliation remained important motifs in Coventry's twinning arrangements, which, against the backdrop of the Cold War, also repeatedly crossed ideological boundaries - but were subject to particular tensions in return. In this context, the twinning with Dresden received a lot of attention.
Coventry has a total of 26 twinning arrangements - 17 with cities in Europe alone. However, being so forthcoming also had a downside: New twin cities rarely meant more money to maintain these relations, so that many links remained purely symbolic and were only irregularly backed up with reciprocal visits.

05/05/2021

(english version below)

Jedes Jahr Anfang Mai erinnern gleich zwei Gedenktage an das Zusammenwachsen Europas nach 1945. Die Existenz dieser beiden Europatage verrät eine ganze Menge über die verschiedenen Pfade, die der Europäischen Integration offenstanden und über das Verhältnis und die Wahrnehmung der Europäischen Organisationen heute.

Am verbreitetsten als ist der 9. Mai, der an die Rede des französischen Außenministers Robert Schuman 1950 erinnert, in der dieser die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) anregte. Diese „Schuman-Erklärung“ gilt als Grundstein der heutigen Europäischen Union. Weit weniger bekannt als Europatag ist der 5. Mai, der an die Gründung des Europarats 1949 erinnert. Diese beiden Geburtstage unterschiedlicher europäischer Organisationen führen vor Augen, dass der Weg der europäischen Einigung keineswegs geradlinig war, sondern dass das, was wir heute die EU nennen, zu Beginn nur eine von vielen europäischen Organisationen war.

Der Europatag des Europarats wurde erstmals 1965 gefeiert – die Europäischen Gemeinschaften, die Vorläufer der EU, beschlossen die Einrichtung ihres Europatages erst 1984. Auch andere Kollektivsymbole, wie etwa Europafahne und Europahymne, sind frühe „Erfindungen“ des Europarats, die erst in den 1980er Jahren von den Europäischen Gemeinschaften übernommen wurden. Hieran sieht man exemplarisch, welche Rolle der Europarat schon früh im kulturellen Bereich und für die Schaffung eines europäischen Bewusstseins spielte. Dass die frühen Vorstöße des Europarats heute jedoch etwas in Vergessenheit geraten sind, zeigt umgekehrt, wie massiv die EU seit den 1980er Jahren auf dem Gebiet der Kulturpolitik aufgeholt hat, etwa auch mit dem Programm der Kulturhauptstadt Europas.
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Every year at the beginning of May, two commemorative days mark the integration of Europe after 1945. The existence of these two Europe Days reveals quite a lot about the different paths that were open to European integration and about the relationship and perception of European organisations today.

The more widely observed is 9 May, which commemorates the speech of the French Foreign Minister Robert Schuman in 1950 in which he proposed the creation of a European Coal and Steel Community (ECSC). This "Schuman Declaration" is considered the founding event of today's European Union. Far less well known as Europe Day is 5 May, which commemorates the establishment of the Council of Europe in 1949. These two birthdays of different European organisations show that the path of European unification was by no means straightforward. Instead,today's EU was only one of many European organisations at the beginning.

The Council of Europe's Europe Day was first celebrated in 1965 - the European Communities, the forerunners of the EU, only decided to establish their Europe Day in 1984. Other collective symbols, such as the European flag and the European anthem, are likewise early "inventions" of the Council of Europe, which were adopted by the European Communities in the 1980s. They illustrate the role the Council of Europe played early on in the cultural sphere and in the creation of a European consciousness. However, the fact that the early advances of the Council of Europe have been somewhat forgotten today in turn shows how the EU has caught up considerably in the field of cultural policy since the 1980s, for example with the European Capital of Culture programme.

27/04/2021

(english version below)

Am Sonntag war . Partnerschaften zwischen Städten, Gemeinden und Regionen bilden einen wichtigen Bestandteil des kommunalen Lebens. Ihre Funktion und ihr Nutzen indessen werden heute teils angezweifelt und das, obwohl den ersten Partnerschaften eine besondere Bedeutung zukam. Auf europäischer sowie auf globaler Ebene fungierten sie in ihren Anfängen besonders als Instrument der internationalen Annäherung und Vermittlung. Denn auch wenn das Phänomen Städtepartnerschaften häufig ausschließlich dem europäischen Raum zugeschrieben wird, so gingen sie von Anfang an darüber hinaus.
Während des Kalten Krieges verbanden sich insbesondere mit Partnerschaften zwischen den beiden Blöcken Hoffnungen zur Entspannung des Systemkonfliktes. Auch die Zahl von Städtepartnerschaften zwischen Industrienationen und Ländern der „Dritten Welt“ stieg seit den 1960er Jahren kontinuierlich an. In der praktischen Umsetzung ging es vor allem darum, unkompliziert Hilfen zur Verfügung zu stellen und die lokale Entwicklung voranzutreiben.
In den letzten Jahren verlagerten sich die Funktionen. Heute stehen neben den traditionellen Bereichen, wie dem Jugendaustausch, neue Aspekte im Vordergrund, wie beispielsweise Fragen nach kommunaler Entwicklung, Wirtschaft und Klimaschutz, die vor allem im letzten Jahrzehnt besonders an Bedeutung gewonnen haben. Städtepartnerschaften müssen demnach als ein dynamisches System gesehen werden, das auf gesellschaftliche und politische Gegebenheiten reagiert.

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On Sunday, April 25th, was International Twin Cities Day. Partnerships between cities, municipalities and regions form a particularly important part of local life. However, their function and their benefits are sometimes questioned today, even though the first partnerships were of particular importance. At the European as well as the global level, they served in their early stages as an instrument for international rapprochement and communication. Even though the phenomenon of town twinning is often attributed exclusively to Europe, twinning links extended beyond that space from the outset.
During the Cold War, partnerships between the two blocks were seen as a particularly promising means of mediation. Additionally, town twinning with developing countries also existed from the 1960s onwards. The main aim was to provide acute assistance and to promote local development.
The goals have shifted in recent years. Today, in addition to traditional areas such as youth exchanges, other issues have moved to the foreground, such as questions of urban development, economic considerations and sustainability, which have become particularly important in the last decade. Town twinning must therefore be seen as a dynamic system that adapts to political and societal circumstances.

12/04/2021

(English version below)

Am Samstag war Internationaler Tag der Geschwister. Wie lassen sich dieser Aktionstag und das Phänomen Städtepartnerschaften miteinander verbinden, mag sich der ein oder andere fragen. Hierzu lohnt es sich, einen Blick auf die im anglophonen Raum verwendeten Bezeichnungen zu werfen. Während in Deutschland nämlich vorrangig der Begriff Städtepartnerschaft gebraucht wird, sprechen Briten stattdessen von „town twinning“ und U.S.-Amerikaner von „sister cities“. Wenngleich alle Begrifflichkeiten das gleiche Phänomen beschreiben, so suggerieren sie unterschiedliche Arten und Intensitäten der Beziehungen. Im Gegensatz zu der Bezeichnung „Partnerstadt“, die in erster Linie den formellen und politischen Charakter unterstreicht, betonen die im englischsprachigen Raum gebrauchten Bezeichnungen vor allem die familiäre Dimension und suggerieren dadurch auch die Ähnlichkeit in Herkunft und Struktur. Wobei besonders der Begriff „town twinning“ Ähnlichkeit in Eigenschaften deutlich macht. Und tatsächlich findet man häufig Städtepartnerschaften zwischen Universitätsstädten, zwischen Bischofsstädten oder etwa zwischen Industriestädten. Dass diese Ähnlichkeit oftmals grundlegend für die Entstehung von Städtepartnerschaften ist, lässt sich beispielsweise an den Städten Coventry und Dresden zeigen, denn beide Städte teilen das Schicksal einer starken Zerstörung durch Luftangriffe im Rahmen des Zweiten Weltkrieges. Die Schwesterstädte Manchester und Chemnitz teilen vor allem einen industriegeschichtlichen Hintergrund, daher auch die Bezeichnung des „sächsischen Manchester“ für die ostdeutsche Stadt.

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On the occasion of Saturday’s Siblings Day, it is worth taking a closer look at the phenomenon of town twinning. While the terms “partner cities” or “city partnerships” are primarily used in Germany, it is especially the English terms “sister cities” and “town twinning” that open up a further level of relationship. Although all terms describe the same phenomenon, they suggest different types and intensities of relationships. In contrast to the term partnership, which primarily underlines the formal and political character, the terms used in English-speaking countries emphasize the familial dimension and thereby also suggest a similarity in origin and structure. The term “town twinning” in particular clearly highlights the similarity in properties. Indeed, one often finds town twinning between university towns, between diocesan cities or, for example, between industrial towns. That this similarity is often fundamental to the development of town twinning can be seen, for example, in the cities of Coventry and Dresden, who share the fate of severe destruction by air raids during World War II. The sister cities of Manchester and Chemnitz mainly share an industrial-historical background – so much so that the latter is often referred to as the “Saxon Manchester”.

(English version below)Schilder wie diese findet man nicht nur in den meisten deutschen Städten und Ortschaften, sondern...
24/02/2021

(English version below)

Schilder wie diese findet man nicht nur in den meisten deutschen Städten und Ortschaften, sondern in abgewandelter Form auch weltweit. So wird den Partnerstädten in Europa und darüber hinaus ein Denkmal gesetzt.
Während Städtepartnerschaften sich besonders durch die bürgerschaftliche Beteiligung in Vereinen, Schulen und privaten Gesellschaften auszeichnen sollen, gibt es immer noch einen großen Teil der Bevölkerung, der diese Verbindungen nur passiv wahrnimmt und von ihrer Bedeutung und ihrem Nutzen größtenteils ahnungslos ist. Im öffentlichen Raum nutzen Städte daher Hinweisschilder, die auf bestehende Städtepartnerschaften aufmerksam machen sollen, so auch in Essen, das mit sieben Städten verpartnert ist.
Diese Schilder begegnen uns in verschiedenen Varianten an ganz unterschiedlichen Orten. Autofahrer fahren fast täglich an Schildern an Ortseingängen und stark genutzten Zufahrtsstraßen vorbei. Ein Standort, der als eine der meistbefahrenen Straßen Essens besonders geeignet scheint, ist die Ruhrallee, Höhe Annental, wo unsere Aufnahme entstanden ist. Die Schilder verweisen in vielseitiger Gestaltung auf die Partnerschaften. So sind neben den Städte- und Nationennamen teilweise auch Stadtwappen oder Nationalflaggen abgebildet.
Am Essener Rathaus weist ein Wegweiser inklusive Entfernungsangabe auf die Partnerschaften hin. Straßennamen wie Sunderland-, Grenoble- und Tamperestraße in Huttrop und Steele untermauern durch ihre Platzierung in Wohngebieten den bürgernahen Charakter von Städtepartnerschaften. Im Gegensatz zu den anderen Schildertypen verweisen die Straßennamen nicht explizit auf die Städtepartnerschaften, sodass der Ursprung des Namens Vielen nicht bewusst ist.

Solche Schilder sind jedoch mehr als nur eine Marketingstrategie der Stadtverwaltung, sondern Teil der lokalen Erinnerungskultur. Häufig kamen die Impulse für Straßenumbenennungen von Privatpersonen, die etwa über Jugendaustausche an Städtepartnerschaften beteiligt gewesen waren. So beantragte eine Gruppe Essener Bürger bereits 1957 eine Straßenneubenennung, um der englischen Partnerstadt zu gedenken.

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Signs like these cannot only be found in German cities and villages, but all over the world. They constitute a popular way to commemorate the twinning links existing in Europe and beyond.
While civic participation by clubs and schools is an essential element of town twinning, a large section of the population remains unaware of these connections and of their importance and benefits. In public spaces, cities therefore use signs to draw attention to their international partners, as is the case in Essen, which is twinned with seven cities.
Various versions of these signs can be found in very different locations. Almost every day, motorists can come across signs at town entrances. As one of the busiest streets in Essen, the Ruhrallee, where our photo was taken, is particularly suitable. Different design elements can be used to refer to the twinning links. In addition to town names and national designations, city coats of arms and national flags can also be depicted.
At the Essen town hall, a sign including information on distance and direction literally points to the twin towns. Street names such as Sunderland-, Grenoble- and Tamperestraße underpin the citizen-orientated character of town-twinning through their placement in residential areas. In contrast to the other types of signs, the street names do not explicitly refer to town twinning, so that many residents are not aware of the origin of the names.

However, such signs are more than just municipal marketing strategies – they are an essential part of the local culture of remembrance. The impetus for street (re)naming often came from private individuals who had been involved in town twinning, for instance through youth exchanges. As early as 1957, a group of citizens in Essen applied for a new street name to commemorate the English twin town, Sunderland.

(English version below)Wie im letzten Beitrag thematisiert, sind mit „Europa“ ganz unterschiedliche Vorstellungen verknü...
11/02/2021

(English version below)

Wie im letzten Beitrag thematisiert, sind mit „Europa“ ganz unterschiedliche Vorstellungen verknüpft. Heute, in Teil 4 unserer Vorstellungsrunde zentraler Projektfragen, steht eine besondere und vergleichsweise neue Definition im Zentrum, nämlich das Europa der europäischen Institutionen.
Im Großteil der geschichtswissenschaftlichen Forschung zu Städtepartnerschaften in Europa werden die europäischen Institutionen ausgeklammert. Umgekehrt spielte auch die kommunale Ebene in der europäischen Integrationsforschung lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Durch Untersuchungen zu den 1980er Jahren, in denen beispielsweise das Projekt der Kulturhauptstadt Europas seinen Ursprung hat, ändert sich das jedoch allmählich. Trotzdem bleibt der Eindruck bestehen, die Vernetzung über Städte(partnerschaften) und die Europäische Integration wären größtenteils parallel verlaufen, ohne größere Überschneidungen zwischen beiden Prozessen.

Betrachtet man jedoch eine Institution, deren Geschichte lange Zeit von der Entwicklung der Europäischen Union und ihrer Vorgänger überschattet wurde, so muss diese Einschätzung revidiert werden. Denn der Europarat schrieb Städten und Gemeinden bereits Anfang der 1950er Jahre eine große Bedeutung für das Zusammenwachsen Europas zu. Zum einen wurde bereits 1952 ein Sonderausschuss für kommunale und regionale Angelegenheiten eingerichtet, aus dem 1957 die Ständige Konferenz der Gemeinden und Regionen Europas hervorging. Zum anderen – und im Rahmen unseres Projekts noch spannender – wurde 1955 der „Europapreis“ ins Leben gerufen, mit dem bis heute Städte der Mitgliedsstaaten für ihren Einsatz zur Förderung der europäischen Idee ausgezeichnet werden. Von Beginn an wurden Städtepartnerschaften als zentrale Ausprägung dieses Einsatzes begriffen. So ging der Europapreis 1956 sowohl an Offenbach (D) als auch an Puteaux (F), weil beide Städte über eine Partnerschaft verbunden waren. Heute ist eine Bewerbung, ohne Städtepartnerschaften vorweisen zu können, gar nicht mehr möglich.

Mit dieser Beobachtung sind eine ganze Reihe weiterer Fragen verknüpft: Was motivierte den Europarat (und ab den 1980er Jahren auch die Europäischen Gemeinschaften), auf die kommunale Ebene zuzugehen? Wie wirksam waren die Maßnahmen der Organisationen? Und wie unterschied sich ihr Vorgehen?

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As discussed in the last blog post, there are many different ideas associated with "Europe". Today's article (part 4 in our ongoing series on central research questions) focuses on a particular and comparatively new definition, namely Europe in the sense of the European institutions.
In most historical research on town twinning in Europe, the European institutions are excluded. Likewise, for a long time, the municipal level played a subordinate role in European integration research. However, this is gradually changing through research on the 1980s, when, for example, the European Capital of Culture programme originated. Nevertheless, the impression remains that networking via cities (and their twinning links) and European integration ran largely in parallel, without any major overlaps between the two processes.

However, if one looks at an institution whose history was long overshadowed by the development of the European Union and its predecessors, this assessment must be revised. As far back as the early 1950s, the Council of Europe attributed great importance to cities and municipalities for the unification of Europe. A Special Committee on Local and Regional Affairs was set up as early as 1952, from which the European Conference of Local and Regional Authorities emerged in 1957. Moreover - and even more important in the context of our project - the "Europe Prize" was established in 1955. To this day, the prize is awarded to cities in the member states for their commitment to promoting the European idea. From the very beginning, town twinning was seen as a crucial aspect of this commitment. In 1956, for example, the Europe Prize was awarded to both Offenbach (Germany) and Puteaux (France) because the two towns were twinned. Today, it is impossible to apply for the prize without being twinned.

This observation serves as the starting point for further questions: What motivated the Council of Europe (and, since the 1980s, the European Communities) to reach out to the municipal level? How effective were the organisations' actions? And how did their approaches differ?

Bild/Image: Plakette des Europapreises 1956 von Offenbachjung auf Wikimedia Commons.

(English version below)Zentrale Aspekte unseres Projekts, Teil 3: Wer von Europa spricht, kann ganz unterschiedliche Din...
27/01/2021

(English version below)

Zentrale Aspekte unseres Projekts, Teil 3: Wer von Europa spricht, kann ganz unterschiedliche Dinge meinen: Etwa den Kontinent Europa, der im Westen an der Atlantikküste endet und im Osten vom Uralgebirge und dem Schwarzen Meer begrenzt wird. Öfter wird Europa jedoch auch über ein gemeinsames Erbe, eine gemeinsame Kultur und eine gemeinsame Geschichte definiert: dabei wird beispielsweise die Prägung durch das Christentum oder das Durchlaufen gemeinsamer „gesamteuropäischer“ Epochen betont. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Europa zudem zunehmend politisch und ökonomisch definiert: 1949 entstand mit dem Europarat die erste europäische internationale Organisation; 1951 gründete sich mit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl der erste Teil dessen, was heute als Europäische Union bekannt ist.

Diese kleine Aufzählung sollte genügen, um zu der Feststellung zu gelangen: Europa im Singular, also „das Europa“, gibt es nicht und gab es nie. Vielmehr kursierten seit der Antike eine Vielzahl konkurrierender, sich teilweise überlagernder Vorstellungen von Europa. Ebenso wichtig ist, dass diese Imaginationen „dehnbar, veränderbar“ waren, wie es der Historiker Wolfgang Schmale beschrieben hat. Je weiter man sich vom Zentrum, vom definitorischen Kern „Europas“, entfernt, desto mehr steht die Frage im Raum: „Wo endet Europa überhaupt?“

Wenn man sich also mit dem Verhältnis von Städtepartnerschaften und Europa beschäftigt, spielen zwangsläufig auch Fragen wie „Welches Europa?“ und „Was gehört dazu?“ eine enorme Rolle. Mit der Brexit-Abstimmung 2016 wurden etwa Diskussionen um die Zugehörigkeit Großbritanniens zu Europa neu befeuert.

Literatur:
Wolfgang Schmale: Europa: Kulturelle Referenz – Zitatensystem – Wertesystem, in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2010-12-03. URL: http://www.ieg-ego.eu/schmalew-2010-de (letzter Zugriff: 27. Januar 2021).

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Key aspects of our research project, part 3: “Europe” can have multiple meanings: for starters, there is the (sub)continent of Europe, bordered by the Atlantic Ocean to the west and the Ural Mountains and the Black Sea to the east. More often, however, Europe is also defined in terms of a common heritage, culture, and history, emphasizing, for instance, the impact of Christianity or the existence of common “pan-European” epochs. Since the mid-20th century, Europe has also been increasingly defined in political and economic terms: 1949 saw the founding of the first European international organization, the Council of Europe; in 1951, the European Coal and Steel Community, the first part of what is now known as the European Union, was created.

This small enumeration should be enough to state once again: A single definition of Europe does not exist and never did. Rather, a variety of competing, sometimes overlapping, notions of Europe have circulated since antiquity. Equally important, these concepts were “flexible, changeable,” as historian Wolfgang Schmale put it. The further one departs from the centre, from a core definition of “Europe,” the more the question looms: “Where does Europe actually end?”

Examining the relationship between town twinning and Europe thus means that questions like "Which Europe?" and "What belongs to Europe?" inevitably play an enormous role. For instance, the Brexit referendum in 2016 fuelled the question in what way the United Kingdom was and is truly part of Europe at all.

References:
Schmale, Wolfgang: Europe as a cultural reference and value system, in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2010-12-03. URL: http://www.ieg-ego.eu/schmalew-2010-en (last accessed: 27 January 2021).

(English version below)Wir melden uns im Jahr 2021 zurück mit Teil 2 unserer Blogreihe zu zentralen Aspekten des Projekt...
13/01/2021

(English version below)

Wir melden uns im Jahr 2021 zurück mit Teil 2 unserer Blogreihe zu zentralen Aspekten des Projekts. Heute steht die Frage „Welche Rolle spielte Europa in konkreten Städtepartnerschaften?“ im Zentrum.

Auf der offiziellen Ebene, also bei Empfängen, in Partnerschaftsverträgen oder städtischen Pressemitteilungen, fanden sich regelmäßig europäische Bezüge. Die vertragliche Besiegelung der Partnerschaft sollte nicht nur die Verbindungen zwischen den beteiligten Völkern stärken, sondern auch einen Beitrag zur „Vereinigung Europas“ leisten, wie es etwa in der Partnerschaftsurkunde der Städte Frankfurt am Main, Birmingham und Lyon von 1966 lautet. Häufig handelte es sich auch um optische Bezüge, etwa in Gestalt der Europaflagge.

Aber ganz so einfach ist die Antwort natürlich nicht. Denn ob Städtepartnerschaften in einen europäischen Zusammenhang gestellt wurden, hing auch auf offizieller Ebene vom Charakter der gastgebenden Stadt, dem Engagement individueller Akteure und nicht zuletzt der Konstellation der beteiligten Städte und Länder ab – und unterlag zeitlichen Schwankungen.
Städtepartnerschaften zeichnen sich bis heute aber auch durch die Beteiligung der „normalen“ Bevölkerung aus. Erst das Engagement von Vereinen, Schulen, Freundschaftsgesellschaften, bis hin zu Privatpersonen, erfüllten eine Städtepartnerschaft mit Leben. Ob, inwiefern und zu welchen Zeitpunkten auch diese Gruppen ihr Handeln als europäischen Beitrag begriffen, wird im Projekt ebenfalls untersucht.

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We're back in 2021 with part 2 of our blog series on key aspects of our research project. Today’s focus: the question "What role did Europe play in concrete town twinning links?"

At the official level, i.e. at receptions, in twinning agreements or municipal press releases, European references could frequently be found. Signing a twinning agreement was intended not only to strengthen the ties between the peoples involved. It was also regarded to be a contribution to the "unification of Europe", as stated, for example, in an agreement between the cities of Frankfurt am Main, Birmingham and Lyon in 1966. References could also be visual, for instance, in the form of the European flag.

But of course, the answer is not quite that simple. Whether town twinning was placed in a European context not only changed over time but also depended, even at the official level, on many factors: the character of the host city, the efforts of key individuals and, last but not least, the constellation of the cities and countries involved.
To this day, however, town twinning is also characterized by the involvement of the "normal" population. It is the commitment of clubs, schools, friendship societies and even private individuals that breathes life into town twinning. Whether, to what extent and at what points in time these groups also understood their actions as a European contribution will also be investigated in the project.

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