18/03/2022
Bitte um Stellungnahme zur Entfernung des Transparents zum 19.02.
Sehr geehrte Damen und Herren,
am Freitag, den 18.02.2022 wurde im PEG ein Transparent mit der Aufschrift „2 Jahre nach
Hanau. Gegen die Angst. Für das Leben. Erinnern heißt verändern! Demo in Hanau,
Marktplatz 19.2. 16 Uhr“ über dem Eingang zur Bibliothek aufgehangen. Nach knapp einer
Stunde war dieses Transparent jedoch von den Mitarbeiter*innen des Sicherheitsdienst ohne
Begründung entfernt worden(es konnte sich später wiedergeholt werden).
Die sich aufdrängende Frage ist: Warum wurde dieses Transparent entfernt? 2 Jahre nach
Hanau, der rassistischen Ermordung von 9 Menschen und der Ermordung der Mutter des
Täters, soll darauf aufmerksam gemacht und zum Erinnern aufgerufen werden. 2 Jahre
nachdem diese Menschen ermordet wurden und die Angehörigen und Hinterbliebenen für
Aufklärung kämpfen und damit von Seiten der Behörden meist alleine gelassen werden; 2
Jahre nachdem die Rolle der Polizei ein weiteres Mal, wie zuvor z.B.im NSU-Komplex,
unvergleichlich mehr Fragen aufwirft und offenlässt als beantwortet; 2 Jahre nachdem sich
ein weiteres Mal die Gefahr rechtsextremer Gewalt in der Ermordung von 10 Menschen
manifestiert hat, scheint es uns mehr als notwendig, dass an einer der größten Universitäten in
der Nähe des Tatorts nun zur Demonstration und zum Erinnern an die Ermordeten aufgerufen
wird. An einer Universität, die sich als demokratisch versteht, sollte dieses Erinnern eine
Selbstverständlichkeit sein. Umso mehr an einer Universität, an der mit Franco A. ein
(mutmaßlich) rechtsextremer Terrorist studiert, der für viele Student*innen eine Gefahr
darstellt.
Wir dachten, es liegt im Interesse der Universität, dass sich Student*innen mit Opfern
rassistischer, rechtsextremer Gewalt solidarisieren und sich offensiv für eine Demokratie stark
machen, in der alle, unabhängig von race, class und gender, ohne Angst leben können und die
gleichen Rechte haben. Dies sollte demokratischer Grundkonsens an einer öffentlichen
Bildungseinrichtung wie der Goethe-Universität sein. Leider konnte ein solches Bekenntnis
von Seiten der Goethe-Universität anlässlich dieses schrecklichen Jahrestags nirgendwo
vernommen werden. Stattdessen wurde das einzige offen sichtbare und aus studentischer
Eigeninitiative entstandene Zeichen der Erinnerung an Hanau durch die Universität
kommentarlos entfernt. Damit sendet die Universität ein klares Zeichen, dass studentische
Mitgestaltung und politische Initiative, die allein ein Mindestmaß an demokratischen Werten
einfordert, offenbar nicht erwünscht ist. Das irritiert jedoch, denn wenn die antirassistische
und offen demokratische Positionierung der Universität nicht nur ein Lippenbekenntnis sein
soll, muss studentische Meinungsäußerung - auch in dem Aufhängen von Plakaten und
Transparenten - möglich sein. Eine Behinderung dessen, widerspricht - insbesondere im
Kontext des 19. Februars - der öffentlichen Positionierung der Universität.
Wir bitten daher um Stellungnahme zur Entfernung des Transparents.
Tutor*innen des Propädeutikums (namentlich Sophie Alikhogali, Benny Aspacher,
Nina Baghery, Jasmin Behrends, Franziska Bujara, Jannis Heil, Hannah Rosenkötter,
Christin Stühlen)
Friederike Alm
Pascal Annerfelt
Dr. Josef Barla
Dr. Veit Bachmann
Sophie Bauer
Aranka Vanessa Benazha
Laura Chihab
Lilith Dietrich
Timo Dorsch
Dr. Veronika Duma
Anette Hilscher
Dr. Katharina Hoppe
Lilian Hümmler
Vicky Kluzik
Jan Kordes
Tabea Latocha
Mara Linden
Sarah Mühlbacher
Dr. Jonas Rüppel
Marina Schmidt
Denise Siemer
Luki Schmitz
Tilma*n Treier
Franziska von Verschuer