20/01/2026
Wie mächtig oder machtlos ist die junge Generation? Wie können junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen beteiligt werden – insbesondere dann, wenn es um Zukunftsthemen geht? Und wie viele junge Menschen wollen überhaupt selbst politisch aktiv werden?
Über diese Fragen diskutierten wir beim Landauer Akademiegespräche in der vergangenen Woche - bevor es in dieser Woche nun um Alterdiskriminierung geht (Details ganz unten).
Prof. Dr. Albert Scherr, Seniorprofessor für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, setzte den wissenschaftlichen Rahmen des Abends. Die Datenlage zeige, dass die Jugendbeteiligung gut und insgesamt besser als noch vor einigen Jahren sei. Jedoch könnten die Parteien der Mitte hiervon kaum profitieren. Sie seien zu unattraktiv für junge Menschen. Auch Institutionen wie Jugendparlamente könnten nur eine bestimmte, sehr begrenzte Gruppe von Jugendlichen begeistern. Problematisch sei zudem, dass Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene zwar häufig funktioniere, auf Bundes- oder Europaebene aber kaum vorhanden sei. Dies sei frustrierend für junge Menschen, die in einer krisengeplagten Zeit wirklich etwas verändern wollten. Die zentrale Aufgabe von Parteien, politischen Bildner*innen, offener Jugendarbeit und anderen sei es daher, Jugendliche zu „ermutigen unter den Bedingungen realer Ernüchterung“, schlussfolgerte Prof. Scherr.
Lasse Rebbin, bis vor Kurzem stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos, berichtete aus seinen eigenen Erfahrungen aus 10 Jahren politischem Engagement. Den vielzitierten Vorwurf, Jugendliche wären nicht an politischem Engagement interessiert, wies er zurück. Dies gelte nur für die Parteien. In anderen Formen seien junge Menschen sehr wohl engagiert: oftmals digitaler, stärker anlassbezogen und flexibler, als dies früher der Fall gewesen sei. Beispielsweise hätte Fridays for Future viele junge Menschen politisiert und auch langfristig das ökologische Denken gestärkt. Die überalterten Strukturen und langsamen Prozesse der großen Parteien würden hingegen für ein großes Maß an Frustration gerade bei den Jungen sorgen. Als mögliche Lösungen skizzierte Rebbin eine verstärkte Bildungsarbeit der Parteien, offene innerparteiliche Diskussionen, die sich nicht nur am Regierungshandeln orientieren, verstärkte Bündnisarbeit und Strukturreformen. Zudem sei es wichtig, junge Menschen als politisch Handelnde ernst zu nehmen.
Einig waren sich beide Gäste in der von Prof. Dr. Manuela Glaab moderierten Diskussion darin, dass die Zukunftsprobleme in Deutschland längst nicht nur ein Problem der jungen Generation seien. Jüngere und Ältere müssten und wollten sie gemeinsam lösen. Viel relevanter als ein angeblicher Generationenkonflikt seien Verteilungskonflikte auf Grund sozialer Ungleichheiten.
Die Landauer Akademiegespräche sind eine Veranstaltungsreihe des Frank-Loeb-Instituts der RPTU, der evangelischen Akademie der Pfalz und der Landau.
Das letzte Gespräch der aktuellen Reihe „Wer gehört dazu?“ beschäftigt sich heute, am 20.1.2026 mit dem Problem der Altersdiskriminierung.