27/04/2026
Die Leipziger Konsumgenossenschaft ist bis heute im Stadtbild Leipzigs und im Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner präsent. In ihrer fast 150-jährigen Geschichte war sie weit mehr als ein Einzelhandelsunternehmen. Seit dem Kaiserreich stellte sie eine wichtige Säule der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung dar. Im Nationalsozialismus nahmen die Konsumgenossenschaften eine bemerkenswerte Sonderrolle ein. Obwohl die nationalsozialistische Partei NSDAP sie als „marxistische Brutstätten“ diffamierte, wurden sie 1933 nicht zerschlagen. Der Leipziger Konsumverein war fortan vieles zugleich: ein Ort intensiver Auseinandersetzungen zwischen demokratischer Praxis und faschistischer Umformung, ein Schutzraum für Regimegegnerinnen und -gegner, aber auch ein effizienter Betrieb im Zeichen von Krieg und Verfolgung. Schon bald nach dem Ende der NS-Diktatur wurde diese ambivalente Vergangenheit von den Machthabern in der DDR instrumentalisiert – und die Genossenschaft so zu einem Schauplatz einer weiteren, drastischen Wendung.